SAP Unicode-Konvertierungen

Dennis Krieger
| 3 min read

Oder: Totgesagte leben länger

Eigentlich sollte die Tatsache, dass Unicode nicht mehr unterstützt wird, keine besondere Aufregungen mehr verursachen. Bereits vor Jahren, mit der Einführung von SAP ERP 6.0, wurde angekündigt, dass der Support von Non-Unicodesystemen eingestellt wird. Neue SAP Systeme konnten nur noch als Unicode System installiert werden. Aus Kompatibilitätsgründen wurde für die noch existierenden SAP Systeme ein Non-Unicode-Kernel bereitgestellt. Das war 2007 und in der Folgezeit Thema vieler Publikationen. In den darauffolgenden Jahren entstand ein wahrer Migrationsboom: Von proprietären Hardwareplattformen wurde auf generische, meist Intel-basierte Systeme migriert. Die Migrationen gingen mit einem Wechsel des Betriebssystems und in der Regel der Datenbank einher. Damals eroberte sich Linux einen Markt. Windows und MS SQL Server drängten in Bezug auf Leistung in Regionen vor, die noch kurz zuvor ausschließlich großen Unix-basierten Systemen vorbehalten war. Diese Migrationen wurden genutzt, um gleichzeitig auf Unicode umzustellen. Denn: Eine Unicode-Umstellung erfordert immer den Export bzw. Reimport der Daten.

 



Combined Upgrade & Unicode Conversion - ein genialer Schachzug

Zur Schmerzlinderung bietet SAP ihren Kunden seit Jahren eine Combined Upgrade & Unicode Conversion (CU&UC) an, also einen geplanten Release-Upgrade mit der Unicode- Konvertierung zu kombinieren. Das bündelt zumindest zeitliche und organisatorische Aufwände. Es muss nur einmal getestet werden und es ist nur eine Downtime erforderlich. Mit dem Software Update Manager (SUM), dem aktuellen SAP Tool für Update, Migration und Conversion, ist ebenfalls eine Unicode-Konvertierung möglich. Fällt die Wahl auf eine HANA Datenbankplattform, kann mit der SUM-Option Direct Migration Option (DMO) eine Datenmigration aus einer existierenden Datenbank in HANA migriert und während des Exports der Zeichensatz umgestellt werden.

Unicode - Vermeintlich unauffällig

Im Laufe der letzten Jahre haben Interesse und Nachfrage nach Unicode-Konvertierungen deutlich nachgelassen. Das Thema geriet aus dem Fokus. Allgemein wurde angenommen, dass  Kunden  die Konvertierungen durchgeführt und abgeschlossen haben. Derzeit liefert SAP das SAP Enhancement Package 8 für SAP ERP 6.0 aus. EHP8 basiert auf SAP NetWeaver 7.5. Dieser ist wiederum das erste SAP Release, das ausschließlich Non-Unicode unterstützt. Das bedeutet: Ab diesem Release gibt es keinen Non-Unicode-Kernel mehr. So wurde es von SAP vor etwa drei Jahren angekündigt und ist beispielsweise in der SAP Note 2171334 dokumentiert. Nun macht sich der alte Schmerz wieder bemerkbar: Kunden, deren Systeme bis dato noch nicht Unicode-konvertiert sind, haben keine Möglichkeit mehr, ein direktes Upgrade -  beispielsweise von NetWeaver 7.0 auf NetWeaver 7.5 - durchzuführen. Es ist ein Zwischenschritt erforderlich. Das kann zum Beispiel ein Upgrade und / oder eine Unicode-Konvertierung auf 7.40 mit einem nachgelagerten Upgrade auf 7.50 sein.

Dies gilt für eine Combined Upgrade & Unicode Conversion genauso wie für Software Update Manager/Direct Migration Option. Der Grund: Für das Release 7.50 steht kein NUC-Kernel mehr zur Verfügung und derzeit ist auch nicht geplant, dies zu ändern.
Bei Software Update Manager/Direct Migration Option und Combined Upgrade & Unicode Conversion wird ein Shadow-System erzeugt, in welchem der Upgrade durchgeführt wird. Danach werden die Daten migriert. Genau für diesen Schritt werden beide Kernel benötigt, der NUC- Kernel für das „alte“ und der UC-Kernel für das neue System.

Es gibt Kunden bestimmter Branchen, die aus Compliance- oder sonstigen Gründen EHP8 implementieren müssen. So kommen auch die Energieversorger in Deutschland nicht um die Implementierung von SAP ERP 6 EHP8 herum, wenn sie weiterhin gesetzlichen Vorgaben Folge leisten können wollen. Ohne diesen Schritt kann die Einhaltung von Geschäftsprozessen, vor allem der Bereich der Energieversorgung, nicht mehr gewährleistet werden.

Unicode-Konvertierung mehrerer SAP Systeme bei REWAG:

Die Heidelberger SNP Gruppe hat sich im Auftrag von REWAG, der Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co KG, deren Herausforderung angenommen und Anfang dieses Jahres eine Unicode-Konvertierung durchgeführt. Denn auch für REWAG galt: Mit EHP8 stellt SAP die Unterstützung von NON-Unicode basierten SAP Systemen ein. Um das Enhancement Package implementieren zu können, musste also eine Unicode-Konvertierung durchgeführt werden.


Die Lösung

Das Regensburger Unternehmen beispielsweise, hat mehrere SAP Lösungen im Einsatz. Eine Systemlinie ist ein ERP 6.0 EHP7, IS Utilities und die HR Systemlinie HCM mit EHP5. Die Konvertierung der Daten nach Unicode stellt immer eine Migration dar. Die REWAG nutzte die Gelegenheit, die SAP Systeme im Zuge der Konvertierung gleich auf neue, mittels VMware virtualisierte Infrastruktur umzuziehen. Ein zeitgleiches Upgrade plus Unicode- Konvertierung (CU&UC) ist in diesem Falle nicht möglich. Die EHP-Implementierung wird nachgelagert erfolgen.

SNP Cockpit.jpg



Direkte Migration möglich mit SNP Transformation Backbone:

Mithilfe des SNP Transformation Backbone® ist ein direkter Weg zu EHP8 grundsätzlich doch möglich, mit nur einer Downtime. Hierzu geht SNP wie folgt vor:

  1. Vom Produktivsystem wird eine Kopie, wie zum Beispiel  eine homogene Systemkopie aus einem Backup erstellt.
  2. Das neue System wird um die Userdaten 'erleichtert' (Löschlauf).
  3. Das leere, kopierte System erfährt die Unicode-Konvertierung.
  4. Das leere, kopierte System wird upgradet auf EHP8.
  5. Diese 'Golden Copy' wird für Wiederholungszwecke gesichert.
  6. Aus der produktiven Systemlandschaft werden die reinen Benutzerdaten mittels Transformation Backbone vom 'alten' System in das neue EHP8 und unicodebasierte System kopiert.


 

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