Studie: Cloud-Computing gewinnt während Pandemie weiter an Relevanz

Cloud Monitor 2021
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Wo stehen Unternehmen in Sachen Cloud-Computing? Welche Trends zeichnen sich bei der Nutzung ab und welche strategischen Fragen beschäftigen Entscheider im Hinblick auf den digitalen Wandel? Der Cloud-Monitor 2021 gibt Einblick in den Status quo von deutschen Unternehmen – wir haben die wichtigsten Studienergebnisse für Sie zusammengefasst.

 

Cloud-Computing wird für die Wirtschaft immer wichtiger: Nur wenige Organisationen (drei Prozent) beschäftigen sich auch während der Pandemie noch nicht mit dem Einsatz der digitalen Technologie, die eine Auslagerung von Software, Speicherplatz oder Rechenleistung in private oder öffentliche Datennetze ermöglicht. Die große Mehrheit der Unternehmen ist bereits einen Schritt weiter und setzt sich verstärkt mit optimalen Anwendungsszenarien sowie der Integration und Transformation zu einem cloudbasierten Unternehmen auseinander. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Cloud Monitors 2021 – einer Untersuchung des Digitalverbandes Bitkom im Auftrag von KPMG.

 

Cloud-Einsatz wächst in Masse und Fläche

Verstärkte Nutzung neuer Technologien, mehr Austausch, optimierte Prozesse: Die Cloud prägt bereits seit Jahren die IT-Infrastruktur von Unternehmen. Während der Viruspandemie hat die Technologie jedoch auf hohem Niveau noch einmal an Relevanz gewonnen. Unternehmen, die dem Schritt in die Cloud bislang zögerlich gegenüberstanden, realisierten die Migration laut Cloud-Monitor kurzfristig. Andere, die bereits cloudbasierte Lösungen eingeführt hatten, beschleunigten Cloud-Integrationsvorhaben bzw. zogen sie vor. Mit dem Ergebnis, das inzwischen vier von fünf befragten Unternehmen (82 Prozent) Cloud-Computing nutzen – ein Wachstum von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zusätzliche 15 Prozent der befragten Organisationen sind derzeit noch in der Informationsphase und planen bzw. diskutieren eine mögliche Einführung. „In der Corona-Pandemie haben noch einmal viele Unternehmen die Vorteile von Cloud-Anwendungen erkannt, die ein problemloses Arbeiten aus dem Homeoffice ermöglichen“, kommentiert Lukas Gentemann, Senior Research Consultant bei Bitkom Research, die Studienergebnisse. Hinzu komme, wie in den Vorjahren, die verstärkte Digitalisierung in vielen Unternehmen, die den Bedarf nach skalierbaren IT-Anwendungen antreibe.

 

Cloud-Nutzen für Digitalisierung und Automatisierung erkannt

Neun von zehn Entscheider (88 Prozent) schreiben der Technologie einen eher großen bis sehr großen Beitrag zur Digitalisierung ihres Unternehmens zu. Zum Vergleich: 2019 waren es erst 77 Prozent. Den größten Mehrwert sehen die Befragten bei der Digitalisierung interner Prozesse und der Automatisierung von Workflows. Zudem sehen jeweils drei Viertel einen eher großen bis sehr großen Einfluss von Cloud-Computing auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen Fach- und IT-Abteilung (78 Prozent) und den Aufbau von Plattformen zur flexiblen Kooperation mit Dritten (75 Prozent).

Weniger einig sind sich die Unternehmen bei der Frage, welchen Einfluss die Cloud auf die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle hat. Während die eine Hälfte der Entscheider (48 Prozent) von einem eher großen bis sehr großen Beitrag spricht, sieht die andere einen eher geringen bis gar keinen Einfluss (47 Prozent). Dies mag daran liegen, dass nicht alle Unternehmen cloudbasierte Geschäftsmodelle anstreben.

 

Strategische Unternehmensziele: Cloud-only, Cloud-first oder Cloud-too?

Laut Cloud-Monitor verfügen sechs von zehn Anwenderunternehmen über eine Cloud-Transformationsstrategie, wobei der Anteil bei den Großunternehmen wesentlich höher liegt. Die Strategien, die bei der Cloud-Nutzung zum Einsatz kommen, variieren: Jedes dritte Anwenderunternehmen (31 Prozent) setzt auf eine Cloud-first-Strategie. Hierbei werden bestehende Systeme bei Bedarf in die Cloud migriert sowie neue IT-Projekte bevorzugt, aber nicht zwingend in der Cloud realisiert. Eine Cloud-too-Strategie, bei der bestehende Daten, Anwendungen und Systeme vereinzelt um Cloud-Computing ergänzt, aber nicht ersetzt werden, setzt jede vierte der befragten Organisationen (24 Prozent) um. Demgegenüber verfolgt nur eine Minderheit von fünf Prozent eine Cloud-only-Strategie –sämtliche Systeme und Anwendungen sollen mittel- bis langfristig in die Cloud umziehen.

 

Cloud-Transformationsgrad im Jahr 2025

Neben den genannten Zielen gibt der Cloud-Monitor einen Überblick über den Zeitrahmen, innerhalb dessen Cloud- Migrationen bzw. Integrationen realisiert werden sollen. Anwenderunternehmen planen 2025 im Durchschnitt etwa die Hälfte ihrer produktiven Anwendungen (52 Prozent) in der Cloud zu betreiben. Dieses Vorhaben zeigt, dass Cloud-Computing nicht nur bei zunehmend mehr Unternehmen zum Einsatz kommt. Die Technologie bahnt sich zugleich einen umfänglicheren Weg in die IT-Infrastruktur der Organisationen. Besonders hoch schätzen Großunternehmen mit mindestens 2.000 Beschäftigten den eigenen Transformationsgrad ein: Sie wollen in vier Jahren bereits drei Viertel ihrer Produktivanwendungen aus der Cloud betreiben. Mittelständler sollten dies bedenken und den eigenen Transformationsprozess beschleunigen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

 

Bestehende Vorbehalte: Sicherheit und unklare Rechtslage

Fast zwei von drei Unternehmen (63 Prozent) verwenden heute Private-Cloud-Implementierungen, immerhin 46 Prozent setzen auf Public-Cloud-Computing. Dabei geht der Trend zum Multi-Cloud-Computing: Um von den Vorteilen verschiedener Anbieter zu profitieren, nutzt schon jedes dritte Unternehmen Lösungen nicht mehr einzeln – sie verwenden mehrere Private- und Public-Cloud-Anwendungen gleichzeitig.

Allerdings bestehen vor allem im Hinblick auf die Public-Cloud-Nutzung nach wie vor Sicherheitsbedenken: So befürchten Unternehmen, die bislang auf den Einsatz einer solchen Lösung verzichten, vor allem den unberechtigten Zugriff auf sensible Unternehmensdaten. Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) begründen damit ihre Zurückhaltung.

Ein weiteres Hemmnis stellen für die Mehrheit (67 Prozent) Unklarheiten hinsichtlich der Rechtslage dar – sogar mit steigender Tendenz. Im vergangenen Jahr äußerten erst 60 Prozent diese Sorge.

Laut der Studienautoren sind die Bedenken zwar ernst zu nehmen, aber teilweise unbegründet. Public-Cloud-Provider hätten stark nachgerüstet, um bei der Datensicherheit und DSGVO-Konformität neuesten Standards zu entsprechen. Für interessierte Unternehmen seien Sicherheitszertifikate ein erster wichtiger Indikator, die den Umgang von Public-Cloud-Anbietern mit dem Thema Sicherheit transparent darlegen.

 

Wie nachdrücklich sich Cloud Computing den Weg in die Wirtschaft gebahnt hat, zeigt ein Rückblick auf den Status quo vor zehn Jahren: Damals lag der Anteil der Anwenderunternehmen, laut des ersten Cloud-Monitors 2011, noch bei 28 Prozent. Dieser Wert hat sich inzwischen verdreifacht.

 

Sämtliche Ergebnisse des Cloud-Monitors 2021 können Sie hier kostenfrei einsehen.

 

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